Wieso die Inflation politisch gewollt ist

Die Inflation steigt Jahr für Jahr – alles wird teurer.
Die Frage ist bloß: Wieso?
Die Antwort: Die Inflation ist politisch gewollt – und tut uns gut!

In diesem Beitrag erzähle ich euch alles über die Inflation, die Politik dahinter und was wie wir darauf reagieren sollten.

Was überhaupt ist die Inflation?

Unter der Inflation wird eine allgemeine und anhaltende Erhöhung des Preisniveaus von Gütern und Dienstleistungen (Teuerung), gleichbedeutend mit einer Minderung der Kaufkraft des Geldes verstanden.
Es ist ein schleichender Prozess, und das Paradebeispiel ist wohl die Kugel Eis, die damals wenige Pfennig gekostet hat, und heute schon oft bei über einem Euro liegt.

 

Das hat den Grund, dass Verkäufer Ihre Kaufkraft beibehalten wollen, sie also für die gleich verrichtete Arbeit auch das Gleiche kaufen möchten.

Wie ensteht die Inflation?

Diese Preiserhöhungen sind eine indirekte Folge davon, dass mehr Geld im Umlauf ist – gesteuert von der EZB, der europäischen Zentralbank.

Es gilt die allgemeine Marktwirtschaft: Je größer das Angebot ist, desto geringer sind die Preise, in diesem Fall der Wert des Geldes.
Je höher die Geldmenge ist, welche im Umlauf ist (je größer das Angebot ist), desto größer ist die Inflation (Teuerung aller Güter und Dienstleistungen).

 

Aber wie steuert die EZB die Inflationsrate?

Die Möglichkeiten zur Anpassung der Inflationsrate der EZB sind vereinfacht ausgedrückt begrenzt. Viele denken es wird nach Belieben Geld gedruckt und so jongliert, dass am Ende die gewünschte Rate erreicht wird – nicht ganz. Die Realität ist um einiges komplzierter.

Alle Wirtschaftssubjekte, auch Wirtschaftseinheiten, also per Definition der Wirtschaftswissenschaft ein „wirtschaftlich selbstständiger Entscheidungsträger“,
beispielsweise ein Privathaushalt oder Unternehmen, werden analysiert. Es werden Schätzungen gemacht, wie viel Geld diesen Wirtschaftseinheiten zur Verfügung steht und kann daraufhin versuchen die Geldmenge zu steuern.

Denn um ein inflationsfreies Wachstum zu gewährleisten, muss dem Produktionspotenzial einer Wirtschaft und ihrer „Einheiten“, also allen Menschen, eine genau bestimmte Menge an Geld gegenüberstehen.
Falls die Geldmenge schneller wächst als das Produktionspotenzial, bekommen „Wirtschaftseinheiten“ den Eindruck, sie seien reicher als zuvor.
Dank dieser Geldillusion werden mehr Güter gekauft und Investitionen getägigt, was die Nachfrage und damit die Preise steigen lässt.

Wenn die Wirtschaft auf der anderen Seite dagegen zu knapp mit Geld versorgt wird, hemmt dies die Inflation, allerdings steigt auch der Zins aufgrund der verknappten Geldmenge.
Die Folge ist es wird weniger investiert und Geld ausgegeben – der Konsum und das damit eingehende Wirtschaftswachstum sinkt. Dieser Fall ist von keiner Seite erwünscht, weder von der Zentralbank, den Politikern und der Bevölkerung. 

Gelddruckmaschine an = Inflation? Nicht ganz.

Die Notenbank ist die einzige Institution, die Geld in den Umlauf bringen und herstellen darf. Normale Banken haben hier kein Wörtchen mitzureden.Allerdings sind diese Geschäftsbanken auch am Geldschöpfungsprozess beteiligt.
Hierfür schauen wir uns die Menge des Bargeldes an welche im Umlauf ist und die tatsächlichen Geldmenge die sich zu einem Zeitpunkt im Umlauf befindet. 

Jahr 1999

Bargeldumlauf der Eurozone: 330 Milliarden Euro
7%
Tatsächliche Geldmenge: 4.500 Milliarden Euro
100%

 

Wie wir sehen übersteigt die tatsächliche Geldmenge den Wert des Bargeldes bei weitem. Dies stellt kein Problem dar, ist aber die Begründung weswegen diese Banken an dem Prozess beteiligt sind.
Früher gab es dicke Kontobücher, heute massig Computer und Online-Banking. Alle Geldwerte sind in Systemen verzeichnet und können über diese ausgegeben werden ohne das man Bargeld besitzen muss.

Da nicht jeder Mensch sein gesamtes Guthaben abhebt, reicht es, wenn nur ein Bruchteil der tatsächlichen Geldmenge als Bargeld verfügbar ist. Der restlichen Teil ist sogenanntes Giralgeld, auch Buchgeld genannt.
Geld des bargeldlosen Zahlungsverkehrs der Banken; Guthaben bei einem Kreditinstitut, über das der Inhaber durch Überweisung oder Scheck verfügen kann.

Es dient dem bargeldlosen Zahlungsverkehr der Banken und entspricht dem Guthaben bei einem Kreditinstitut, über das der Inhaber durch Überweisung oder Scheck verfügen kann, also Geld mit dem er Arbeiten kann, aber nicht physisch anfassen kann.

Alle Geschäftsbanken tragen mit diesem Buchgeld also einen Teil dazu bei, wie viel Bargeld gedruckt werden muss. Wenn es keine Geschäftsbanken bzw. kein Buchgeld geben würde, müssten wir umständlicherweise etliche Male mehr Bargeld drucken. 

 

Der Hauptgrund – die EZB

Auch wenn Geschäftsbanken, das Verhalten der Anleger und die Regierung einen gewissen Teil Einfluss auf die Inflation haben, ist die mächtigste Partei die Zentralbank.
Über die Zinspolitik bestimmt sie maßgeblich über die Zinsen der Banken, der Zinsen der Anleger und schließlich darüber in welchem Maß die Inflation wächst.

Aufgabe der EZB:
Die Europäische Zentralbank ist eine Institution, welche für die Überwachung des Bankensystems und die Regulierung der Geldmenge im Euro-Raum zuständig ist. Die EZB muss die Geldpolitik Europas führen.

Eine Zentralbank hat zwei Ziele:

Das erste Ziel, oftmals das Hauptziel, ist die Preisniveaustabilität. Dabei gilt es, große Schwankungen des Geldwertes zu vermeiden und einen fast konstanten Bereich zu halten.
Die Zielgröße dabei ist die Inflation (Inflationsrate).
Das zweite Ziel der Zentralbank besteht in einer ausgeglichenen konjunkturellen Entwicklung des jeweiligen Landes.
Dieses wichtige Nebenziel der Geldpolitik hat den Zweck, eine Rezession zu vermeiden.

Die Zentralbank kann diese wirtschaftliche Lage beeinflussen, indem sie den Preis für verliehenes Geld senken oder erhöhen – sie verändert den Leitzins.
Mit dieser Zinspolitik kann die Zentralbank sowohl auf die konjunkturelle Entwicklung als auch auf die Inflation einwirken.

Nachdem wir diese zwei Ziele kennen, können wir daraus schließen das die EZB nur versucht unsere Wirtschaft zu stärken.

 

Die europäische Wirtschaft sei zu schwach, und die Inflation falle zu niedrig aus.
Mitteilung der EZB

Daraufhin, im September 2019, entschloss sich die EZB den Einlagezins für Banken, welche kurzfristig Geld bei der Notenbank parken wollen, von -0,4% auf -0,5% zu senken.

Der Gedanke hinter der Niedrigzinspolitik: Wenn die Zinsen niedrig sind, dann werden mehr Kredite aufgenommen und dadurch Investitionen gefördert, weil die Banken die günstigen Zinssätze an ihre Kunden weitergeben.
Gleichzeitig erhöhen sich die Verbraucherausgaben, welche gemeinsam mit den Investitionen die Wirtschaft stützen.
Von Banken, die ihr Geld dagegen bunkern und nicht in Form von Krediten an Ihre Kunden weitergeben, verlangt die EZB einen Strafzins. Die Banken sind also bemüht darum, möglichst viele Kredite zu vergeben.

Viele setzen die Inflation damit gleich, dass massig frisches Geld gedruckt wird. In Außnahmefällen mag das stimmen, die Normalität sieht allerdings anders aus.  

Wieso die Inflation politisch gewollt ist

Um den etwas provokanten und doch wahren Titel dieses Beitrages zu begründen, hier die Gründe:

  • Wie wir aus dem obigen Informationen gelernt haben sorgt eine leichte Inflation dafür das es der Wirtschaft gut geht - die Bürger sind beruhigt und zufrieden.
  • Staatsschulden können durch eine Inflation abgebaut werden. Der absolute Schuldenwert, also die genaue Anzahl an Euros, wird zwar durch die Inflation nicht beeinträchtigt, aber der Wert, also die Kaufkraft dieser Euros sinkt, je mehr Geld im Umlauf ist. Somit lassen sich in 10 Jahren Schulden mit Euros zahlen, dessen Kaufkraft in diesen 10 Jahren um 20% abgenommen hat, und somit 20% weniger Wert sind. Da Gläubiger allerdings Geldentwertungen hinnehmen müssen, ist gilt dieses Denken nur als Notfallmaßnahme, wenn die Schuldenlast eines Staates den Haushalt desselben zu erdrücken droht.
  • Bei einer Verknappung der Geldmenge entstehen extrem negative Entwicklungen der Wirtschaft. In der Erwartung, dass die Preise aller Güter weiterhin fallen, würden Menschen so wenig Geld wie möglich ausgeben. Eine Kettenreaktion würde in Gang kommen - Unternehmensumsätze würden massiv sinken, die Wirtschaft schrumpt dementsprechend um einige Prozent. Verbunden mit dem geschrumpften Wirtschaftswachstum würde auch der allgemeine Lebensstandard sinken. Das ist politisch nicht gewünscht, sodass Inflation als das kleinere übel akzeptiert wird.

Fazit

Wie wir sehen macht es Sinn das die Inflation politisch gewollt ist.

Durch eine leichte Inflation stärken wir die Wirtschaft, vermeiden das unsere Wirtschaft in eine Abwärtsspirale der Rezension rutscht und können sogar Schuldenberge des Staates abbauen.

Wie seht ihr das Thema? Hat euch dieser Beitrag gefallen?

Lasst es mich wissen!

Euer Alex

 

 

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